Hack and Slay, Horror, Jump 'n' Run

American McGee’s Alice

Ich hab euch ja als mein zweites Review das Spiel Alice Madness Returns als Perle der Jump ‚n‘ Run Geschichte empfohlen und ihr habt mich bei diesem Review mit besonders vielen Aufrufen belohnt, was mir gezeigt hat, dass das genau euer Geschmack ist. Und daher war es natürlich nur eine Frage der Zeit, dass wir uns den Vorgänger zu Alice Madness Returns anschauen.

Natürlich funktioniert Alice Madness Returns auch ohne seinen Vorgänger – was vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass mit SpicyHorse neue Entwickler am Werk waren – doch hat Alice Madness Returns gerade für Fans von American McGee’s Alice von seinen Verweisen auf das erste Spiel gelebt und somit seinen ganz eigenen Bezug zum ersten Game hergestellt. Es sei nur als Beispiel die Grinsekatze genannt, die auch im ersten Teil genauso sinnlose Tipps hat, wie im zweiten Teil, aber in beiden Teilen genial dargestellt wurde.

Auch der erste Teil wurde von EA – damals 2000 als sie noch keinen Deal mit dem Teufel gemacht haben – gepublisht, allerdings von Rouge Entertainment entwickelt. Und wieso American McGee? Weil der Leiter des Projekts American McGee war. Klingt sogar für mich als Hund echt logisch.

 

Titelbild zu American McGees Alice
Titelbild zu American McGees Alice
Die Grinsekatze
Die Grinsekatze

Doch worum geht’s in American McGee’s Alice?

 

Das berühmt berüchtigte Feuer, dass auch weiterhin in Alice Madness Returns eine zentrale Rolle gespielt hat, hat seinen Ursprung in American McGee’s Alice. In diesem Spiel wird sogar eine Zwischensequenz gezeigt, die das Feuer näher beleuchtet.

Unterschied zum Vorgänger: In der Sequenz wird gezeigt, dass die Katze Dinah Schuld an dem Feuer trägt. Allerdings weiß Alice selbst davon nichts mehr, da sie seit dem Feuer mehr oder weniger den Verstand verloren hat. Seither fristet sie ihr Dasein in einer Irrenanstalt und vegetiert dort so vor sich hin, die Ärzte haben sie schon abgeschrieben und ihre Fantasien als brutal, gewalttätig und abstrus abgestempelt.

Kein Wunder also, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Alice´s Verstand nach Hilfe und Erlösung ruft. Passieren tut das durch einen Hilferuf aus dem Wunderland. Das Wunderland ist gerade dabei zu zerbrechen und Alice kann ihren Verstand nur retten, wenn sie das Wunderland rettet.

Klingt jetzt alles schon sehr danach als hätten die Macher von Alice Madness Returns sich eine gute Portion aus dem Spiel abgekupfert, oder?

Ist aber gar nicht der Fall. Während in Alice Madness Returns das Wunderland, sprich der Verstand von Alice, von außen angegriffen und zerstört wurde, zeigt American McGee’s Alice wunderbar, dass die einzige Bedrohung für das Wunderland von Alice ganz alleine kommt. Sie ist es die am Zerbrechen ist und dabei ist den Verstand zu verlieren. Alice ist in diesem Spiel also die einzige Bedrohung, nämlich eine Bedrohung für sich selbst.

Da wir aber ein Game zocken und Alice schon einen symbolischen Gegner braucht um ihren Verstand zu retten, wird dieser in Form der Herzkönigin dargestellt. Diese hat begonnen das Wunderland mit Terror und Gewalt zu regieren und zu unterwerfen, größer könnte das Symbol nicht sein, dass Alice keine Kontrolle mehr über ihren eigenen Verstand hat.

Was tut sie also um ihren Verstand zu retten? Sie greift zur Waffe und bahnt sich ihren Weg durchs Wunderland. Besonderheit während der ganzen Story? Es wurden viele kleine aber auch große Details aus den Buchvorlagen übernommen.

In der Irrenanstalt
In der Irrenanstalt
Dunkeldüster ist es geworden
Dunkeldüster ist es geworden

Man nehme ein geniales Märchen und mache daraus Horror

 

Frauchen schwärmt oft davon, dass sie die beiden Märchen Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln liebt. Sie sagt immer, dass es Lewis Caroll so wunderbar gelungen ist sein Märchen wie einen wahrhaftigen Traum zu schreiben. Dialoge, Handlungen und Abläufe erinnern daran, dass Menschen anscheinend zusammenhanglos und doch ineinander übergreifend träumen. Ich kann das nicht nachvollziehen, wenn ich träume dann vom fressen, jagen oder spielen.

Aber gut, es geht hier ja zum Glück weder ums träumen noch primär um die beiden Märchen. Die beiden Märchen waren nur Grundlage um Alice erneut ins Wunderland zu schicken und diese Reise ist für Alice diesmal definitiv kein Traum sondern ein Alptraum.

Ihr wunderschönes Wunderland ist zerstört, jeder Bewohner depressiv und am Rande des Wahnsinns. Selbst die Grinsekatze ist ein Schatten ihrer selbst und das im wahrsten Sinne des Wortes – anscheinend scheint er kein Katzenfutter mehr von der Herzkönigin zu bekommen, anders kann ich mir nicht erklären, wie er so dünn geworden ist – und nun hat Alice die nicht ganz so ehrenvolle Aufgabe ihren Verstand, nun das Wunderland, wieder zusammenzusetzen.

In fünf Kapiteln besucht sie Orte aus dem Märchen, muss hier eine Lösung dafür finden, schrumpfen zu können und wird förmlich von den Herzkartenwachen überrannt. Die – oder eher ihre Königin, der sie dienen – haben ein Problem damit, dass Alice sich ihren Weg durchs Wunderland bahnt. Verständlich, ich hätte auch Angst vor einem Kind mit Spielzeugen, das einfach mal eben ins Wunderland spaziert und alles niederhackt was ihr in den Weg kommt.

Wobei Kind ist vielleicht falsch gesagt, sie ist älter als in den Märchen, aber ganz offensichtlich noch jünger als in Alice Madness Returns. Müsste ich schätzen, würde ich eh daneben liegen, also lass ich‘s bleiben, sie wird irgendwas zwischen Kind und Teenager sein. Aber ich bin abgeschweift, kommen wir zurück zu unserem Alptraum, der sich Wunderland nennt, der ist absolut gelungen.

Jedes Kapitel könnte nicht unterschiedlicher und abgedrehter sein. Es werden Charaktere aus dem Märchen genommen und kurzerhand zu Endgegnern gemacht, es werden Anspielungen vortrefflich genutzt, damit auch jeder merkt: Wir reden nicht über irgendein Wunderland, sondern von dem EINEN Wunderland, in das nur Alice kann.

Das Ganze wird untermalt von Musik, die mir das Fell zu Berge hat stehen lassen, wirklich ohne Sound wäre das Spiel sogar eigentlich relativ langweilig. Klar die Optik wäre immer noch cool gewesen, aber es ist gerade der Sound und die Musik, die all den Horror bewirken und mal ganz von den Bewohnern des Wunderlandes abgesehen. Die geben die meiste Zeit vollkommenen Stuss von sich, wenn Alice mal eine Frage hat.

Ehrlich was ist das bitte für eine Aussage der Herzogin? Sie zeigt sich nur jenen, die keinen Wert drauf legen, was? Übrigens war die schon immer so hässlich, hatte also nichts mit Alice Madness Returns zu tun, witzig ist, dass sie als Boss die Pfeffermühle die Alice in Teil 2 bekommt hier noch als Bosswaffe nutzt.

Folg dem Hasen
Folg dem Hasen
Alles abgedreht
Alles abgedreht

 

 

 

 

 

Die is hässlich
Die is hässlich
Das Wunderland
Das Wunderland

Was jeder sicherlich wusste: Spielzeuge sind die besten Waffen

 

Die Waffen sind schon ziemlich cool in American McGee’s Alice. Da weiß man in jedem Fall, dass die Fortsetzung alles richtig gemacht hat, die Idee der Waffen zu übernehmen, auch wenn Frauchen in American McGee’s Alice weitaus mehr Waffen zur Verfügung hat als in der Fortsetzung.

Was daran so cool ist? Es ist alles Spielzeug mit dem Alice ihre Gegner penetriert, zerhackt, zerschneidet, durch den Wolf dreht oder auch einfach mal in Flammen aufgehen lässt. Es gibt dank der Altersfreigabe von 16 Jahren absolut keine Grenze was mit so einem Gegner passiert. Alice lässt in dem Spiel schon relativ gerne selbst Köpfe rollen.

Und das mit 10 unterschiedlichen Möglichkeiten, eine kreativer als die andere. Natürlich hat sie ihre Vorpalklinge, die ist ein Muss und auch kein Kinderspielzeug. Doch der Rest, einfach genial. Kartenspiele, die sie von sich werfen und als Fernwaffe nutzen kann, ein Jack in the Box, der sich Feuerspeiend vor sich hin dreht, eine Cricket-Schläger zum KO hauen und noch so viel mehr.

Alle wollen nicht verraten werden, ihr wisst ja was ich von zu vielen Spoilern halte. Gut, das Spiel ist jetzt 17 Jahre auf dem Markt, entweder ihr kennt alle Waffen schon, oder ihr könnt sie super einfach googeln. Mir ist an dieser Stelle nur wichtig, euch zu zeigen, wie kreativ die Entwickler waren und das sie selbst bei den Waffen sorgsam darauf geachtet haben, dass der Verweis zu Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln auch immer schön vorhanden ist.

Karten fliegt
Karten fliegt
Auch die Vorpalklinge ist dabei
Auch die Vorpalklinge ist dabei

Quicksaves, der Segen eines jeden Hundes

 

Yep, die Quicksaves waren mein Segen. Nur so hat Frauchen ihren eigenen Verstand bewahrt und wenn Frauchen ihren Verstand bewahrt, kann sie nicht in Hysterie verfallen – was Alice übrigens auch so ähnlich schon in diesem Teil kann. Hier sieht Alice nur sehr viel abgefahrener aus und es lässt sich zeitlich nicht erkennen, wann der Modus wieder aufhört – und solange sie nicht in Hysterie verfällt, muss ich mich nicht vor ihr verstecken und kann beim zocken zusehen.

Und wieso sollte mein Frauchen in Hysterie verfallen? Leider ist die Steuerung in American Mc’Gees Alice ein extrem großes Manko des gesamten Spiels.

Das macht Sprungpassagen stellenweise unüberwindbar und zerrte an der Geduld meines Frauchens. Aber dank Quicksaves konnte sie jede Passage so oft ausprobieren wie sie wollte, ohne wieder zu einem weiter zurückliegenden Checkpoint zurückgesetzt zu werden.

Und damit haben sich die Entwickler wirklich einen Gefallen getan. Schwebende Plattformen auf denen man gegen Gegner kämpfen muss und dabei noch richtig springen soll und das mit einer Steuerung die eher Pi mal Daumen genau ist, weil 2 Zentimeter Toleranz beim Springen schon keinen Unterschied machen. Das  wäre pure Qual, wenn man immer wieder zu einem Checkpoint zurückgesetzt werden würde und das wäre bei so einem genialen Spiel doch zu schade gewesen. Vor allem wenn man dann auch noch Fallschaden hat, der auch hin und wieder nicht zu knapp ist.

Vielleicht wirkt er auch nur deswegen so hoch, weil auch die Kämpfe extrem fordernd sind. Nicht weil sie schwer sind, nein, auch hier macht die Steuerung den Schwierigkeitsgrad aus. Ausweichen? Nope, Alice kann sowas nicht, die kann nur seitwärts von rechts nach links gehen und natürlich vor- und rückwärts laufen. Ist doch logisch, wer von euch macht das im normalen Leben nicht auch so. Vielleicht hab ich das als Hund nur einfach noch nie bei euch Menschen gesehen.

Aber Scherz beiseite, dadurch das Alice doch sehr beschränkt in ihrer Steuerung ist und deswegen die Agilität einer Schildkröte hat muss man zwangsläufig Schaden der Gegner in Kauf nehmen, sonst kann man gar nicht erst gegen sie kämpfen und wenn dann doch gleich mal vier Gegner auf einem Haufen sind, dann kostet das ordentlich Energie.

Bekommt man zwar meist sofort zurück, wenn man die Gegner besiegt hat und sie Metaessence – Alice benutzt Fantasiedrogen um sich am Laufen zu halten, zumindest hat mein Frauchen es so interpretiert – fallen lassen, aber dafür muss man sie eben auch erstmal besiegen.

Sie kann seitwerts laufen
Sie kann seitwerts laufen
Auch in Kämpfen
Auch in Kämpfen

 

 

 

 

 

 

Die Hysterie....
Die Hysterie….
Macht das Kämpfen sehr blutig
Macht das Kämpfen sehr blutig

Fazit zu American McGee’s Alice

 

American McGee’s Alice ist definitiv ein Horrorspiel, dass sich nicht verstecken muss. Es macht Laune durch die Welt zu gehen und zu sehen, wie zerstört Alice´s Verstand eigentlich wirklich ist. Trotzdem hätte man auch mehr machen können. Wieso? Gehen wir meine drei Bewertungspunkte durch:

Die Story: Ist simpel gehalten und holt sich viel Inspiration aus den originalen Märchen von Lewis Caroll − super Sache, daran hatten Frauchen und ich den meisten Spaß. American McGee’s Alice beweist, dass man aus jedem Traum auch wirklich einen Alptraum machen kann und spielt die Karte, dass das Wunderland ein Spiegel von Alice Dasein ist, wunderbar aus.

Hier kann sich ruhig jeder einmal selbst fragen, wie sein Wunderland wohl aussehen würde, wie weit würde euer Verstand gehen um euch vor euch selbst zu retten. Und die vielen verrückten Ideen die einmal aus einem Märchen stammten, in einen Alptraum zu verwandeln machen ebenfalls Laune, da darf die Story hier und dort auch mal ein oder zwei Lücken haben und sei es, dass sie durch die total sinnlosen Dialoge entstehen.

Frauchen und ich tippen drauf, dass das entweder gewollt ist und für den Humor sorgt oder wirklich schlechte Dialoge sind, wir überlassen es eurer Fantasie was davon wohl zutrifft.

Die Atmosphäre: Wir machen es hier kurz und bündig, die macht alles richtig. Die Musik ist unfassbar unheimlich und zermürbend, wenn man sie auf Dauer hört. Sie trägt das gesamte Spiel und macht alles richtig. Die Geräusche tun dann noch ihren großen Teil dazu bei und am Ende hat man ein waschechtes Horrorspiel, dass zwar auch von seiner düsteren und depressiven Umgebungsoptik getragen wird, aber hauptsächlich durch den fantastischen Soundtrack des Games.

Der Gameflow: Jetzt wird es knifflig, der ist leider so gar nicht vorhanden und wird nur durch das Setzen von Quicksaves möglich. So sollte das definitiv nicht sein, ist aber dank der undankbaren und ungenauen Steuerung leider so.

Es tut förmlich weh, wie ungenau die Entwickler hier gearbeitet haben und ich hätte mein Frauchen an vielen Stellen doch verstanden, wenn sie wegen der Steuerung wirklich in den Hysteriemodus gewechselt wäre. Das hat auch nichts mit dem Jahr 2000 zu tun, denn auch um Jahr 2000 gab es schon gute Steuerungen, ja die gab‘s sogar schon 1996 als TombRaider erschienen ist.

Und Mrs. Croft konnte sicherlich mehr als Alice, auch wenn sie sehr viel kantiger war. Hier muss ich also ordentlich was an Punkten abziehen, denn die Steuerung könnte tatsächlich für jeden potentiellen Spieler, der das American McGee’s Alice noch mal auspacken möchte ein Grund sein, das Spiel dann doch wieder in die Ecke zu legen. Wirklich sehr schade.

 

Daher gibt es für American McGee’s Alice hier das silberne Pfötchengütesiegel. Die Story ist an manchen Stellen etwas dünn, aber dennoch gut gemacht, die Atmosphäre ein Highlight und doch ist die Steuerung der Kill für das goldene Pfötchengütesiegel:

Pfütchengütesiegel Silber

Ihr wollt euch gar nicht erst mit der Steuerung auseinandersetzen sondern nur American McGee’s Alice gucken?
Dann schaut doch bei Betagott rein, der wie immer mit viel schwarzem Humor an die Sache geht und euch mit guten Sprüchen und lustigen Zockerfails – natürlich dank der Steuerung – durch das Spiel führt:

 

 

Ihr wollt euch doch selbst dran wagen?
Dann habt ihr gleich zwei Möglichkeiten, zum einen könnt ihr euch Alice Madness Returns für PS3 besorgen, wo ihr gratis dazu American McGee’s Alice bekommt, allerdings ist das am einfachsten im PS Store zu finden.

Leider weiß ich nicht, ob es bei der PC Version auch dabei ist, vielleicht kann mir einer ja einen Hinweis geben 😉

Oder aber ihr wollt doch nur American McGee’s Alice? Kein Ding, auch dafür hab ich einen Tipp parat: Sucht mal auf Ebay oder aber bei den Gebraucht Spielen beim Amazon:

American Mc’Gees Alice: Einfach mal bei den gebrauchten reinschnuppern 😉

 

Ihr könnt mir gerne über eure Steuerungserfahrung berichten oder mir auch sonst euer Herz ausschütten, was euch an dem Game besonders gut oder besonders schlecht gefallen hat. Hinterlasst mir einfach ein Kommentar, ich versprech auch, dass ich darauf antworten werde 😉

 

Bis dahin reicht euch die Pfote und freut euch im nächsten Review zu lesen
Euer Beagle on Games, der Beagle der sprechen kann

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